Stolpersteine für Grasberg -zu Gast beim Jugendtreff Grasberg

Die Einladung des Jugendtreff Grasberg erreichte Fraktion und Ortsverband am 08.01.2025.

Alle GrasbergerInnen erhielten die Einladung über den offiziellen Whats-App-Kanal der Gemeinde Grasberg am 14.01.2026.

Zitat daraus:

„Im Herbst soll es soweit sein, dass in der Gemeinde Grasberg die Stolpersteine verlegt werden können🪨.

Die Infoveranstaltung hierzu findet am 27. Januar 2026 um 19 Uhr im Jugendtreff Grasberg stattℹ️.

Ihr seid herzlich eingeladen🥳.“

Gerne waren auch wir am Internationalen Tag des Holocoust Gedenkens dem 27.01.2026 zusammen mit weiteren Interessierten der Einladung gefolgt.

Mit vier Mitgliedern aus Ortsverband und Fraktion waren wir vertreten: Susanne Helvogt-Liebig, Thomas und Tanja Malohn sowie Jörn Schumm. Für uns ist klar: Die Geschichte Grasbergs in der NS-Zeit darf nicht vergessen werden. Auch die Schicksale der Opfer aus unserem Ort verdienen Erinnerung.

Als Grasbergerinnen und Grasberger bewegt uns dieses Thema auch persönlich. Die Frage nach einer würdigen Erinnerungskultur geht uns alle an.

Es gibt immer weniger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen. Viele Ereignisse sind nur wenig dokumentiert. Hinweise finden sich vor allem in den Dorfchroniken, etwa in Eickedorf oder Schmalenbeck, oder in mündlichen Erzählungen. Gerade deshalb unterstützen wir die wichtige Erinnerungsarbeit. Initiativen, die an Menschen erinnern, die in Grasberg lebten und Opfer des NS-Regimes wurden, sind von großer Bedeutung.

Zu Beginn stellten sich alle Anwesenden vor. Jede und jeder schilderte die persönliche Motivation, sich für Stolpersteine in Grasberg einzusetzen.

Die Mitarbeitenden des Jugendtreffs, Gregor Schöpe und Lukas Schlösser, berichteten von der Jugendfreizeit in Polen im Sommer 2025. Dort besuchte die Gruppe auch die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Vorbereitet wurde die Fahrt durch Workshops zur NS-Zeit (wir berichteten). Aus diesen Erfahrungen entstand die Idee zur Einladung. Erste Gespräche mit der Stolperstein-Initiative Landkreis-Osterholz e.V. und der Gemeindeverwaltung Grasberg hatten bereits stattgefunden.

Wünschenswert ist nun, dass sich weitere Grasbergerinnen und Grasberger gemeinsam mit den Jugendlichen an der Recherche beteiligen. Ziel ist eine gemeinsame Idee zur Umsetzung und Unterstützung der Stolperstein-Initiative in Grasberg. So könnten – wie geplant – im Herbst die ersten Stolpersteine verlegt werden.

Zu Beginn stellten sich zunächst Hartmut und Nina von der in der Stolperstein-Initiative Landkreis Osterholz e.V. vor. Sprachen über Ihr Engagement und konnten anhand des Filmes „Von der Recherche zum Stolperstein“ (Link) über die Aktivitäten des Vereines und die bisher verlegten Stolpersteine im Landkreis Osterholz berichten. Die Mitglieder sind im Kontakt mit der Stiftung des Künstler Gunter Demnig und setzen sich aktiv für die Verlegung von Stolpersteinen im Landkreis ein.

Ein sehenwerter Film über Beweggründe der Initiativen, engagierter Menschen und Gruppen und über Schicksale und Familen und die bewegenden Momente der Stolpersteinverlegungen, bei der auch der Künstler vor Ort war.

(sehenswert ist auch die ZDF Reportage vom 20.11.2024 : Leben ist mehr! Erinnern statt vergessen-das Projekt Stolpersteine)

Es wurden bereits Rechercheergebnisse seitens der Initiative vorgestellt. Es folgen einige von mehreren Beispiele:

(Foto: vorgestelltes Recherchergebnis Nieders. Landesarchiv Stade / Haftentschädigungsakten/ 4 Wörpedorfer Bürger)

(Foto: vorgestelltes Rechercheergebnis Kriegsgefangene + Zwangsarbeiter/innen:

Hier zu sehen ist eine Liste der Britischen Alliierten zu bei hiesigen Landwirten und im Straßenbau in Eickedorf eingesetzten rusischen Kriegsgefangenen „jetziger Aufenthalt unbekannt“, mit Hinweis auf ein Gefangenenlager in Hüttenbusch und einen Transport in das Lager Sandbostel, unterschrieben am 19.07.1950 vom Nachkriegs-Bürgermeister der damaligen Gemeinde Eickedorf (15.06.1945-31.12.1967) Heinrich Schumm ).

Anhand einiger weiterer mitgebrachter Beispiele zu Rechercheergebnissen (aus öffentlich zugänglichen Archiven) wurde klar, dass neben GrasbergerInnen, die Juden und JüdInnen, auch politisch Andersdenkende, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und Zwangsarbeiter der Lager Hüttenbusch und Sandbostel in Grasberg gelebt haben und auch verfolgt wurden. Fast unbekannt (aber anhand von Opferentschädigungsakten und Krankenakten nachweisbar) war uns, dass es auch zwangssteriliserte Menschen und Euthanasieopfer gab.

(Foto: vorgestellter Artikel „Erinnerungskultur Ist es Verbeugen oder Herabblicken?“ vom 15.07.2020)

Auch Thema war das in der Chronik „250 Jahre Eickedorf“ ab Seite 222 (Eine jüdische Familie) von Harry Schumm (er führte das Grasberger Gemeindearchiv im alten Rathaus, welches jetzt im Kreisarchiv untergebracht ist) über zwei Generationen dokumentierte Schicksal der Familie Fränkel aus Eickedorf deren letzter bekannter Wohnort im Jahr 1941 Eickedorf 14b war.

Hier folgen bereits dokumentierte und uns bekannte Informationen:

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Foto der Gedenktafel auf dem Grasberger Friedhof mit dem Text „Verschleppt, Eickedorf, Juli 1941“ für:

Fränkel, Louis (bekanntes Geburtsdatum: 22.11.1886/Geburtsort Eickedorf Sohn von Salomon Fränkel und Elise Fränkel, geborene Levi)

Fränkel, Paula (geborene Seelig, bekanntes Geburtsdatum: 08.04.1887, Geburtsort Abterode, verheiratet mit Louis Fränkel seit 18.12.1921)

Fränkel, Gerhard (bekanntes Geburtsdatum: 28.04.1923, Geburtsort Eickedorf, Sohn von Louis und Paula Fränkel)

Fränkel, Siegfried (bekanntes Geburtsdatum: 28.03.1924, Geburtsort Eickedorf, Sohn von Louis und Paula Fränkel)

Fränkel, Liesel ->Elise (bekanntes Geburtsdatum: 24.02.1927, Geburtsort Eickedorf, Tochter von Louis und Paula Fränkel)

Fränkel, Ruth (bekanntes Geburtsdatum: 04.05.1929, Geburtsort Eickedorf, Tochter von Louis und Paula Fränkel)

Fränkel, Hertha (bekanntes Geburtsdatum: 04.10.1930, Geburtsort Eickedorf, Tochter von Louis und Paula Fränkel)

Alle 7 Familienmitglieder (das Ehepaar Fränkel hatte laut Chronik ursprünglich 9 Kinder, die Zwillinge Louise und Louis sind jedoch schon 1925 kurz nach ihrer Geburt verstorben und auf dem Grasberger Friedhof bestattet) finden sich auf dieser Transportliste aus dem Regierungsbezirk Stade (Bremen – Hamburg nach Minsk Abfahrtsdatum: 18.11.41, Deportierte: 977) wieder. Danach verliert sich die Spur der aus Grasberg lt. Chronik im Sommer in Richtung Bremen Oslebshausen abtransportierten und dann im November 1941 Richtung Minsk deportierten aus Grasberg stammenden Familie.

(mutmaßlich möglich ist evtl. dass es Nachfahren der evtl. überlebenden Geschwister des Louis Fränkel, Kinder von Salomon und Elise Fränkel geb. Levi/1. Generation) gibt, die aus Eickedorf verzogen sind?!…..siehe Chronik Seite 222;

Einige Familienmitglieder sind jedoch ebenfalls durch das NS-Regime verfolgt und umgebracht worden-wie z.B. der zuletzt in Berlin lebende Moritz Fränkel, er wurde am 29.11.1942 in Ausschwitz ermordet, das ist jedoch eine weitere Recherche/Quelle)

Informationen zum Ablauf des Transportes von Bremen über Hamburg in Richtung Minsk vom 18.11.1941 finden sich auf der Seite der Stolpersteine Bremen Zitat aus dieser Quelle:

„Um Platz für die Neuankömmlinge aus dem Reichsgebiet zu schaffen, wurden im November 1941 mehr als 12.000 weißrussische Juden ermordet. Die eintreffenden knapp 7. 000 reichsdeutschen Juden wurden in einem gesonderten Ghettobezirk neben dem mit Stacheldraht abgegrenzten Hauptghetto untergebracht. Die Unterbringung erfolgte nach regionaler Herkunft, so gab es z.B. ein Bremer Lager. Im Sonderghetto I wohnten die Deportierten aus Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt/M, im Sonderghetto II die Deportierten aus Berlin, Brünn, Wien und Bremen.

Der Hamburger Transport erreichte als erster am 11. November Minsk, daher bestimmte die SS den Transportleiter Dr. Edgar Frank zum Judenältesten, der im März 1942 umgebracht wurde. Zu seinem Nachfolger wurde der Bremer Erich Harf bestimmt; er wurde wahrscheinlich im Sommer 1942 getötet. Im Hamburger „roten Haus“ wurde mit den Frankfurtern eine Notküche eingerichtet, die später alle Reichsdeutschen mit Suppe zu versorgen hatte. In den ersten zwei Monaten wurden keine Nahrungsmittel an Ghettoinsassen, mit Ausnahme der Arbeitskommandos, verteilt.

Aus Bremen wurden 440 jüdische Männer, Frauen und Kinder am 18.11.1941 in das Ghetto Minsk deportiert; hinzu kamen 130 Personen aus dem Regierungsbezirk Stade. Der Ausweisungsbefehl der Gestapo Bremen wurde den Betroffenen um den 11.11. zugestellt. Jeder durfte nur einen Koffer und Handgepäck bis zu 50 kg mitnehmen, sonstiges Hab und Gut blieben zurück. In kleinen Gruppen wurden sie am Morgen des 18. von zwei Sammelstellen zum Lloyd-Bahnhof geführt. Die Wohnungen wurden versiegelt, später dann ausgeraubt und das Inventar versteigert.

Am Bahnhof mussten die Verhafteten unterschreiben: „Ich, der unterzeichnete Jude, bestätige hiermit, ein Feind der Deutschen Regierung zu sein und als solcher kein Anrecht auf das von mir zurückgelassene Eigentum, auf Möbel, Wertgegenstände, Konten oder Bargeld zu haben. Meine deutsche Staatsbürgerschaft ist hiermit aufgehoben und ich bin vom 18. November ab staatenlos.“

Der Zug fuhr, von Wachpersonal begleitet, mit ca. 570 Personen um 8:40 Uhr aus Bremen ab und traf gegen 11:30 Uhr im Hannöverschen Bahnhof in Hamburg ein. Dort wartete ein Zug mit ca. 408 Hamburger Juden auf die Weiterfahrt. Die zusammengekoppelten Züge trafen am 22.11.1941 in Minsk ein.

Von den Bewohnern des Sonderghettos waren ca. 1.400 zur Zwangsarbeit eingesetzt. Sie wurden jeden Tag in Kolonnen zu ihren Arbeitsstellen gebracht. Trotz Schwerstarbeit bestand für sie durch den Arbeitseinsatz ein vorübergehender Schutz vor ständig stattfindenden Übergriffen und sie wurden besser ernährt. Bei wahllosen Ermordungen wurde beispielsweise der Bremer Kaufmann Erich Alexander erschossen, weil er sich nicht zu einer Nachmusterung gemeldet hatte; Erich Seligmann, weil er vermutlich Benzin in das Ghetto geschmuggelt hatte.

Nach der „Wannseekonferenz“ (21.1.1942) besuchten nacheinander Eichmann (RSHA), Heydrich (Chef der Sicherheitspolizei) und Himmler im März das Ghetto und ordneten an, dass nunmehr auch die deutschen Juden zu vernichten seien. Daraufhin kam es zur größten „Aktion“, der die als nicht arbeitsfähig eingestuften Ghettoinsassen zum Opfer fielen. Im Bericht des zuständigen Generalkommissars für Weißruthenien und sog. „Judenschlächters von Minsk“ Wilhelm Kube heißt es lapidar: „In Minsk-Stadt sind am 28. und 29. Juli 1942 rd. 10.000 Juden liquidiert worden, davon 6.500 russische Juden, überwiegend Alte, Frauen und Kinder. Der Rest bestand aus nicht einsatzfähigen Juden, die überwiegend aus Wien, Brünn, Bremen und Berlin im November vorigen Jahres nach Minsk (…) geschickt worden sind.“ Die Reichsdeutschen wurden mehrheitlich in Gaswagen auf dem Weg nach Blagowschtschina, einer Waldlichtung in der Nähe von Trostenez, erstickt.

Nach diesem Pogrom lebten noch ca. 2.600 Deportierte im Sonderghetto. Ab Frühjahr 1943 wurden auch sie in beständigen „Aktionen“ ermordet, größtenteils bei einem Massaker am 8.5.1943. Bei der Auflösung des Ghettos ab September 1943 lebten noch ca. 1.000 Menschen. Ca. 300 von ihnen – vor allem junge, alleinstehende Männer, vom Ghettokommandanten Rübe selektiert – wurden zunächst nach Lublin und dann in weitere Lager im besetzten Polen deportiert. Nahezu alle anderen wurden bis Oktober 1943 umgebracht. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand haben lediglich etwa 50 Personen das Sonderghetto überlebt.“ …………(Zitatende).

Wichtig: Dieser Infopost verknüpft einem Bericht zur Infoveranstaltung und eigener Recherche (ohne Gewähr und Anspruch auf Vollständigkeit)

Es handelte sich um ein erstes offenes Treffen zum Informationsaustausch und weitere Interessierte sind lt. Initatoren und Stolpersteininitiative Osterholz e.V. ausdrücklich willkommen.

Nächste Schritte und Recherchen müssen noch abgestimmt werden (für welche Personen genau es Stolpersteine in Grasberg geben soll ist angedacht steht aber noch nicht endgültig fest, denn es gibt doch einige).

Hierüber entscheidet die Stiftung des Künstlers. Die Mitglieder der Stolperstein-Initiative Landkreis-Osterholz e.V. haben zugesagt, die Arbeit am Projekt der Interessierten Jugendlichen und BürgerInen in Grasberg weiter zu unterstützen. Sie sind es die für uns den nötigen Kontakt zur Stiftung und damit zum Künstler herstellen, die die Stolpersteine in der verlegen.

Beide haben angekündigt noch einmal persönlich vorbeizukommen. Parallel soll eventuell in der Dorfgemeinschaft Eickedorf schon einmal über das Thema Stolpersteine gesprochen werden, auch um herauszufinden, ob es noch Zeitzeugen gibt. Zusätzlich erfolgt ein lockerer Austausch über eine neu Initiierte Whats-App Gruppe.

Für den 09.03.2026 wurde gemeinsam ein weiterer Termin für ein offenes Treffen im Jugendtreff verabredet.

Wir danken dem Jugendtreff für die Orga, allen Beteiligten für den konsturktiven Austausch und bleiben am Thema.

Gerne werden wir Euch hier informieren, wie es weitergeht.

Denn genau jetzt ist die Zeit für gelebte Erinnerungskultur für ein echtes „Nie wieder“.

Daher ist es gut, dass sich jetzt endlich die Gelegenheit zur Umsetzung in Grasberg bietet, bevor dieses Kapitel auch unserer Geschichte immer mehr verloren geht. Durch die Initiative der Mitarbeitenden und den Jugendlichen des Grasberger Jugendtreffs mit Unterstützung der Stolperstein-Initiative Landkreis-Osterholz e.V- und interessierter BürgerInnen Grasbergs.

Die neu ins Leben gerufene Stolperstein-Initiative erhält auch politisch unsere volle Unterstützung.

Bunt-grüne Grüße von Eurem Ortsverband und der Fraktion Bündnis90/Die Grünen Grasberg

#stolpersteinefürgrasberg #jugendtreffgrasberg #grasberg #stolpersteininitiativeosterholz

Erinnerungskultur und Gedenken der NS-Opfer in unseren Nachbargemeinden:

Worpswede:

Lilienthal:

Artikel des Weser-Kurier vom 04.04.2024 Ein dritter Stolperstein für Lilienthal

Artikel des Weser-Kurier vom 27.01.2026 Konfirmanden putzen Stolpersteine in Lilienthal

Homepage der Gemeinde Lilienthal Lilienthal erinnert an die Opfer des Holocaust

Fischerhude:

Artikel der Kreiszeitung vom 19.09.2023 Im Achtsamen Gedenken

Tarmstedt

Homepage der KGS Tarmstedt Es war grauenhaft

Bremen

Homepage Stolpersteine Bremen

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