Gewerbegebiet muss nachhaltig gestaltet werden

Im Sommer 2020 gab die Verwaltung Planungen für eine Erweiterung des künftigen Gewerbegebiets für Grasberg bekannt. Neuer Standort, neuer Investor, Größe und Aufteilung der Fläche – alles bereits vorab festgelegt. Wir GRÜNEN sehen diese Entwicklung sehr kritisch geht es doch um starke Eingriffe in die Natur und das dörfliche Zusammenleben. Ist letzten Endes eine Umsetzung der bisherigen Planungen nicht mehr umfassend zu beeinflussen, bestehen wir auf einer nachhaltigen und zukunftstauglichen Ausgestaltung eines solchen Gebietes. Darauf bezieht sich der von unserer Fraktion gestellte Antrag!

Antrag an den Rat der Gemeinde Grasberg:
Nachhaltige Gestaltung des zu entwickelnden Gewerbegebietes an der Wörpedorfer Straße am Westrand der Ortschaft Grasberg (B-Plan Nr. 51)

Gewerbegebiete sind für alle Kommunen eine existenzielle Quelle lokaler Wertschöpfung. Gleichzeitig stehen sie aber auch für großflächige Inanspruchnahme und Versiegelung von Flächen mit nachteiligen Folgen für Ökosysteme und Klima.Um diesen Widerspruch zu lösen, fordert die Fraktion BÜNDNIS 90 DIE GRÜNEN im Gemeinderat eine konsequent nachhaltige Gestaltung des geplanten Gewerbegebietes, für welches die Gemeinde Grasberg bereits die Änderung der Nutzung im Raumordnungsprogramm (RROP) beantragt hat.

Unser Antrag umfasst nun konkret 10 Punkte und ist in der folgenden Beschlussempfehlung zusammen gefasst:
“Der Rat beauftragt die Verwaltung, bei der Planung und Umsetzung des neuen Gewerbegebietes vor den Toren des Ortes nach den Grundsätzen der nachhaltigen Entwicklung vorzugehen. Insbesondere sollen folgende Einzelmaßnahmen realisiert werden:

1. Schutz der Artenvielfalt im Gewerbegebiet, den angrenzenden Flächen und den Ausgleichsflächen

2. Anpflanzungen von Baumreihen und Hecken sowie Schaffung von Rückhalteräumen zur gezielten Versickerung von Niederschlagswasser an Ort und Stelle

3. Förderung von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz

3.a) Prüfung einer stationären Energiespeicherung (Elektrizität, ggf. auch Wärme und Kälte) z.B. als Gewerbequartierslösung

3.b) Ünterstützung der Planung von energieeffizienten Gebäuden und ggf. von Recycling-Technologien u.ä. durch die Klimaschutzmanangerin des Landkreises

3.c) Installation von Ladestationen für Elektroautos und E-Bikes an zentraler Stelle

4. Dem Ortsbild angepasste Festsetzungen für Gebäudedimensionen, Fassaden und Dachgestaltung mit Vorgaben für Photovoltaik und ggf. Begrünung

5. Verbesserung der Familienfreundlichkeit durch Berücksichtigung der Arbeitsplatzsituation bei der Planung von Kindertagesstätten

 

6. Förderung der Fahrradnutzung durch geeignete Verkehrsführung sowie Anbindung des Gewerbegebietes an die Siedlungsgebiete innerhalb der Gemeinde und an den öffentlichen Personen Nahverkehr

7. Aufbau eines Netzwerks für an Nachhaltigkeit interessierte Unternehmen durch Schaffung eines Vor-Ort-Quartiersmanagements (mit 0,5 Stellen für die Dauer der Maßnahme)

7.a) Aktives Kommunizieren der Vorteile nachhaltiger Planung für Unternehmen

8. Finanzieller Ausgleich für Mehraufwand bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele

9. Transparente Vergabe von Gewerbeflächen zur Stärkung der regionalen Wirtschaft

10. Ganzheitlicher, transparenter Planungsprozess mit frühzeitiger Einbindung der Nachhaltigkeitsziele

Die Punkte 1. bis 4. beziehen sich auf die Erhaltung einer gesunden Umwelt und den Schutz des Klimas, Punkt 4 bezieht sich.auch, zusammen mit 5. auf die soziale Komponente und die Punkte 6. bis 10. auf die wirtschaftliche Funktionsfähigkeit.“

Erläuterungen und Begründungen zu den Punkten finden sich in der Anlage „Zur Nachhaltigen Planung im Gewerbegebiet“.

Wir hoffen auf die Zustimmung des Rates und sind gerne bereit, auf weitere Fragen einzugehen.

Anlage „Zur Nachhaltigen Planung im Gewerbegebiet“
(Antrag der Fraktion Die GRÜNEN vom 2.2.2021)

Zu 1. Artenvielfalt: Mit konkrete Maßnahmen kann ein Gewerbegebiet zur Erhaltung der Artenvielfalt einen Beitrag leisten:

Ausgleich für den Verlust der Vorrangfläche für Natur und Erholung in Form von Schutzzonen, die nicht mehr bebaut werden dürfen.
Der neue Bebauungsplan Nr. 51 soll teilweise Flächen aus dem alten Bebauungsplan Nr. 14 Gewerbegebiet Wörpedorfer Straße integrieren. In diesem wurden seinerzeit etliche vorhandene Bäume zum Erhalt festgesetzt. Die Anzahl dieser Bäume und darüber hinaus auch die für eine Beseitigung zu leistende Kompensation sollte mindestens in dem neuen Gewerbegebiet wieder angepflanzt werden. Die Bäume und ihre Lage sind in dem neuen Bebauungsplan zum Erhalt festzusetzen.
Innerhalb des Gewerbegebietes sollen Feuchtzonen mit Wasserflächen und Biotopen realisiert werden.
Die Grünzone um das Gewerbegebiet herum sollte einen maximalen Nutzen für Mensch und Natur haben, und einen sinnvollen Beitrag gegen das Artensterben leisten.
Zusätzlich ist ein Sichtschutz aus Bäumen und Gehölzen zu ermöglichen.

Zu 2.: Baumreihen, Rückhaltebecken:

Unversiegelte Flächen eröffnen Handlungsoptionen, um befürchtete Überflutungsschäden abzumildern.
Sie können im Endeffekt den Haushalt der Kommunen entlasten, da die von Unternehmen getragenen Maßnahmen auf längere Sicht zu einer Einsparung der zu erwartenden Kosten  für Schutzmaßnahmen auf öffentlichen Flächen reduzieren.
Vorschläge:
Ausbildung von Grünzügen im Gewerbegebiet und auf den Zuwegungen zahlt sich nicht nur für Klimaschutz und Klimaanpassung aus. Gleichzeitig verbessern solche Maßnahmen die weichen Standortfaktoren und führen über attraktivere Rad- und Fußwegeverbindungen zu Wohn- oder Erholungsgebieten zu einer stärkeren Öffnung des Gewerbegebietes für Bürgerinnen und Bürger.
Dachbegrünungen
mit vorkultivierten Moosmatten speichern bis zu 24 Liter Niederschlagswasser pro Quadratmeter und sind besonders für Begrünung von Dächern mit Nord- / Nord-West-Lage geeignet. Auch für Flächen unter aufgeständerten PV- oder Solarthermieanlagen oder für Bereiche auf denen wegen starker Beschattung sonst keine Pflanzen gedeihen. Sie sind auch für Dächer mit nur geringer Traglast geeignet.
Versickerungsmulden im Bereich der Grünanlagen zwischen den Grundstücken zur Oberflächenentwässerung von versiegelten und teilversiegelten Flächen, wie z. B. Parkplätzen, Gehwegen, Fahrwegen, Dachentwässerung
Rasengittersteine oder Schotterrasen, anstelle von Asphalt und Betonpflaster auf weniger belasteten Verkehrsflächen können neue Versickerungsmöglichkeiten schaffen
Plätze zum Verweilen: Als Orte zur Begegnung und für Erholungsphasen der Beschäftigten, können als Teil der Optimierung von Rad- und Fußwegen auch den übrigen Bürgerinnen und Bürgern als Haltepunkte mit Naherholungswert dienen, haben Grünvernetzungspotenzial und steigern die Attraktivität des Gewerbestandortes für Unter- nehmen, Mitarbeiter und Bürgerinnen und Bürger.
Fassadenbegrünungen sind grundsätzlich für alle Außenwände, Trennwände mit Gitterstruktur, Zäune und repräsentative Gebäude geeignet.

Zu 3. Erneuerbare Energien:

Dabei geht es natürlich nicht nur um Solarenergie und Erdwärme, sondern die ganze Bandbreite der Erneuerbaren Energien, die im Gewerbegebiet möglich sind.
Eigennutzung bzw. in Mikronetzen verfügbarer erneuerbar erzeugten Stroms kann sich für Industrie, Handwerk und Gewerbe lohnen und die Stromnetze entlasten.
Auf den Dächern von Gewerbehallen lassen sich große PV-Anlagen im Verhältnis zu den kleinen Anlagen in Wohngebieten relativ günstig realisieren.
Energieeffizienz: Unterstützung bei der Optimierung von Prozessen: Regelbare Wärmeerzeuger und Wärmespeicher einsetzen, Systeme so planen, dass gleichzeitig Strom und Wärme bzw. Strom und Kälte erzeugt werden können.
Ein Nahwärme- und Kältenetz im Verbund einiger Unternehmen kann sich bei hinreichendem Abwärmeaufkommen im Gewerbegebiet lohnen, Betreiber entsprechender Produktionsstätten und Lager sollten in einer frühen Planungsphase zusammen gebracht werden.

Zu 3.a) Energiespeicher: Bei einem gemeinschaftlich geplanten Stromspeicher sollten Planungshilfen zur Verfügung gestellt werden. Dies wäre ein sehr sinnvoller Einsatz für die Klimaschutzmanagerin des Landkreises, auf deren Hilfe die Gemeinde Grasberg zurückgreifen kann.
Stromspeicher steigern den finanziell vorteilhaften Eigenstromverbrauch, sie entlasten und stabilisieren die Stromnetze und ersparen dadurch Kosten für deren Ausbau.

Zu 3.c) Ladestationen: Investitionen in die Elektromobilität sind Investitionen in die Zukunft. Gerade für Gewerbeunternehmen mit vielen Fahrzeugen wie z.B. Bus- und Taxiunternehmen, Liefer- und Kurierdiensten rechnet sich solch eine Investition schon schnell. Die Deutsche Post macht es uns vor.

Zu 5. Kindertagesstätten: Mit zusätzlichen Arbeitsplätzen im G-Gebiet werden Zuzüge von Arbeitnehmern, z.T. mit Kindern eintreten. Dies kann zu einem Mehrbedarf an Betreuungsplätzen führen, bei dessen Deckung entweder eine räumliche Anordnung in der Nähe des G-Gebietes oder eine verkehrstechnisch günstige Anbindung eingeplant werden sollte.

Zu 6. Verkehrsführung:

  • Zusätzliche Bushaltestelle im oder direkt am Gewerbegebiet bietet den Anreiz, auf ÖPNV umzusteigen
  • führt bei guter Auslastung und Nutzung durch ursprüngliche PKW-Fahrer zur Reduzierung der CO2 –Emissionen in Grasberg
  • Vorteil: bessere Erreichbarkeit für Kunden und Mitarbeiter ohne PKW,

Zu 9. Transparenz: Bei der Vergabe von Gewerbeflächen sollten interessierte regionale Betriebe vorrangig informiert und berücksichtigt werden.

Zu 10. Nachhaltige Planung: Es zeigt sich also, dass das geplante Gewerbegebiet eine zentrale Rolle für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde Grasberg und der mit ihnen verbundenen Unternehmen einnimmt. Aus diesem Grund muss für den gesamten Planungsprozess ausreichend Zeit zur Verfügung stehen, Zeitdruck ist bei der Komplexität der Planung fehl am Platz, zumal der Investor bisher auch keine Eile hat, und der Einzelhandel erst in einigen Jahren umgesiedelt werden soll. Es wird daher gefordert, die Wirtschaftsförderung des Landkreises sowie weitere regionale Planungshilfen frühzeitig in den gesamten Planungsprozess mit einzubeziehen.

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